Die 2. Demokratiekonferenz 2015 fand am 24. September in Strausberg statt. Sie war gleichzeitig der 13. Integrationsfachtag in Märkisch-Oderland. Unter dem Motto „Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen in MOL – Wie kann das gelingen?“ diskutierten Integrationsakteure, Arbeitsmarktakteure, Lokalpolitik, Verwaltung und Ehrenamtliche die aktuelle Situation im Landkreis und suchten gemeinsam nach Lösungen.

Der Landkreis Märkisch-Oderland hatte zum Zeitpunkt der Konferenz ca. 1200 Asylsuchende und Flüchtlinge aufgenommen. Sie sind in Gemeinschaftsunterkünften und Wohnungen untergebracht. Arbeit ist ein wesentlicher Baustein für eine erfolgreiche Integration. Menschen, die häufig unter Lebensgefahr flüchten, möchten auf eigenen Beinen stehen und selbst für die eigene Familie sorgen. Dies sind Erfahrungen aus Begegnungen mit Asylsuchenden und Flüchtlingen. Sie zu unterstützen und ihnen eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen, ist ein weiterer Baustein zur positiven Willkommenskultur im Landkreis Märkisch-Oderland.

 

Begrüßung & Tagesmoderation

moderation

Markus Klein, Mobiles Beratungsteam Potsdam

 

Grußworte

doebrich

Stefan Döbrich, Vorstand KKJR MOL e.V. und Geschäftsführer Jugendwerkstatt Hönow e.V.

schmidt

Landrat Gernot Schmidt

 

Referat: Arbeitsmarktintegration von MigrantInnen und Flüchtlingen

Gerloff

Volker Gerloff, Rechtsanwalt, Berlin

Zusammenfassung:

  • Vorstellung aktueller statistischer Daten: 6,6 Mio. AusländerInnen zahlen rund 22 Mrd. Euro Steuern
  • dies entspricht einer jährlichen Entlastung von 406 € pro DurchschnittsbürgerIn
  • Zuwanderungsstop bedeutet demnach Steuererhöhung
  • Zugang zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge erschwert
  • Ausländerbehörde stellt Beschäftigungserlaubnis aus aber nur nach abgeschlossener Vorrangprüfung
  • Zugang zu Bildung ist im Gegenzug erleichtert
  • Duldungstitel und Sprachkenntnisse sind Grundvoraussetzung für die Erteilung der Arbeitserlaubnis
  • Problem: Asylrecht ist antiquiert und ein Abwehrrecht aus dem Polizeirecht und primär nicht auf Bleiben konzipiert
  • Hier bedarf es der Politik, dass bestehende System zu reformieren und moderne, kurzfristige Regularien zu definieren

Den gesamten Vortrag von Volker Gerloff als Powerpoint Präsentation und Audiodatei finden Sie demnächst hier

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Vorstellung des Modelprojektes „REWENIO“ – Regionale, wirtschafts- und arbeitsmarktbezogene Zu- und Rückwanderung – Aufbau einer Willkommenskultur in Oberösterreich

Pucher

Mag. Anna Pucher, Geschäftsstellenleitung Wels-Eferding

Zusammenfassung:

  • Zeitraum des Projektes von Mai-Dezember 2014
  • Projekt wurde auf 2 Regionen angewandt mit dem Ziel, Arbeitskräfte aus dem Ausland zu aquirieren
  • Ganzheitliches Integrationssystem für Fach- und Schlüsselkräfte und deren Familien
  • Prüfung bestehender Angebote vor Ort und Führung von qualitativen Interviews zu Erhebungszwecken + volkswirtschaftliche Kosten Nutzen Analyse
  • Erkenntnisse:
    • Willkommenskultur ist flächendeckend nicht gegeben, punktuell aber teilweise sehr gut vorhanden
    • Instrumente für Zuwanderer (Bsp. Willkommensmappe) sind vorhanden aber teilweise nicht bekannt
    • Vernetzung der Einrichtungen untereinander nicht ausreichend
    • Zukünftig wird die Arbeitskraft nicht allein durch inländische Kräfte bedient werden können, so dass man maßgeblich auf Zuwanderung angewiesen ist
  • Fazit: Folgeprojekt = Übertragung der Inhalte aus dem Modellprojekt + Erhebung von good practice Beispielen und Befragung von Gemeinden und Betrieben

Den gesamten Vortrag von Anna Pucher als Powerpoint Präsentation und Audiodatei finden Sie demnächst hier

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Podiumsdiskussion zum Thema „Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen“ -  Bedarf und Hürden

  • Landrat Gernot Schmidt
  • Dr. Volker Offermann, Referatsleiter, Referat 32 – Frauen, Arbeitsmarkt, Arbeits- und Existenzgründungsförderung im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie
  • Dr. Thomas Kühne, Leiter Geschäftsstelle IHK Rüdersdorf
  • Jochen Freyer, Geschäftsführer Agentur für Arbeit Frankfurt(Oder)
  • Torsten Wilke, Bereichsleiter Jobcenter Märkisch-Oderland
  • Eva-Maria Henkel, IB-Internationaler Bund gGmbH
  • Moderation: Dipl.-Ing. Ursula Klingmüller

Nach zwei anregenden Referaten und einer kurzen Pause startete die Konferenz in die inhaltliche Podiumsdiskussion. VertreterInnen der Politik, Wirtschaft, Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Strukturen stellten sich den Fragen der Moderatorin und des Publikums. Rund 1200 AsylbewerberInnen und Flüchtlinge hat der Landkreis Märkisch-Oderland derzeit aufgenommen und die Zuwanderung wird, aufgrund der brisanten politischen Situation im Ausland, nicht abreißen. Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt steht nach dem Ankommen mit an oberster Priorität und dies spiegelt auch den Wunsch vieler Flüchtlinge dar, die nach Frau Henkel: „mehrheitlich daran interessiert ist zu arbeiten und auch über eine recht gute Selbsteinschätzung über ihre beruflichen Qulifikationen und Kompetenzen verfügt.“

In der Aufgabe, die Flüchtlinge erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren sieht Jochen Freyer die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung und der Wirtschaftskrise 2009. „10-20 % der Flüchtlinge sind kurz- bis mittelfristig integrierbar, mit dem Rest muss langfristig gearbeitet werden“, so Freyer. Um dies zu gewährleisten, muss man erstmal miteinander ins Gespräch kommen, um Potentiale zu erkennen und auch die Bleibetendenz abzuschätzen, denn positive Integration bedeutet auch, einen Mehrwert für den Landkreis zu gewinnen. Gerade was die Arbeitskräftesicherung angeht ist diese erheblich auf Zuwanderung angewiesen. Im Zuge der Überalterung werden in den kommenden Jahren Millionen von Erwerbstätigen wegbrechen und vorhandene Arbeitsplätze schlichtweg nicht besetzt werden. „In diesem Sinne muss Zuwanderung forciert werden und nicht nur geduldet, auch um Deutschland als Wirtschaftmacht zu sichern“, führte Thomas Kühne aus.

Die vorangegangenen Ausführungen wurden auf Nachfrage der Moderatorin Frau Klingmüller aus Sicht des Landes von Herrn Offermann bestätigt. „Um eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt zu gewährleisten muss auch der Bund seine Bemühungen verstärken, gerade was die Sprachausbildung angeht, außerdem ist die Aufnahmebereitschaft von Flüchtlingen als Arbeitnehmer seitens der Wirtschaft noch sehr verhalten“, führte Dr. Volker Offermann vom Landesministerium aus.

Die bisherige Distanziertheit der Wirtschaft gestaltet sich auch was die Arbeitseinsatzgebiete von Flüchtlingen schwierig. „Brandenburger Unternehmen suchen vorrangig Fachkräfte“, sagte Jochen Freyer, „ einfache Jobs, wie bspw. in der Reinigungsbranche oder Gastronomie sind eher in den Großstädten zu finden und auf dem Lande rar.“

Um das Asylverfahren zu beschleunigen arbeitet, laut Landrat Gernot Schmidt, die Ausländerbehörde bereits aktiv mit den einzelnen Arbeitsvermittlungen der JobCenter zusammen. Aber man muss einräumen, dass diese Bearbeitung zu lange dauert und man nur mühsam der Flüchtlingswelle gerecht wird. „Dennoch hat die Bearbeitung der Asylanträge der Flüchtlinge oberste Prioriät“, sagte Schmidt. Bis eine halbwegs erträgliche Wartezeit für die Bearbeitung erreicht wird, bedarf es das umgehende Handeln, auch haushaltstechnisch, von Bund, Land und des Landkreises, um alle Kapazitäten voll auszuschöpfen.

Aber auch infrastrukturell zeigen sich Hürden. Da wo es Arbeit im Landkreis Märkisch-Oderland gibt, nämlich im Zuzugsraum Berlin, hapert es wiederrum infrastrukturell an Wohnraum, Schul- und Kitaplätzen. „Die Flüchtlingswelle muss vor allem auch sozialpolitisch begleitet werden. Wenn wir ressourcenmäßig nicht in der Lage sind, alle angemessen unterzubringen, können wir auch keine langfristige Bleibe garantieren“, führte Schmidt aus.

Konkret wichtig für die Flüchtlinge für die Integration sind vor allem Sprachkenntnisse. „Deutschkurse sollten bereits in jungen Jahren angeboten werden und auf allen Ebenen ansetzten“, fordert Eva-Maria Henkel vom Internationalen Bund. Aber auch die Wartezeit bis zur Erteilung der Arbeitserlaubnis muss gekürzt werden. „Dies ist eine nationale Aufgabe, wenn man sich geschlossen einigen kann auch niedrige Qualifizierung und Abschlüsse anzuerkennen, so kann der Zugang zum Arbeitsmarkt wesentlich erleichtert werden“, erläuterte Gernot Schmidt.

Zukünftig ist noch viel zu tun und dies kann nur durch die Aufbringung aller Kapazitäten und durch die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Strukturen gelingen.

Eine Anmerkung aus dem Publikum wurde von allen Seiten positiv berücksichtigt. Ein ortsansässiger Landwirt unterbreitete den Vorschlag, Flüchtlinge aktiv in die Freiwilligenarbeit zu integrieren. Dadurch könnte die Wartezeit im Asylverfahren konstruktiv überrückt und gleichzeitig erste Sprachkenntnisse aufgebaut werden.

Den genauen Ablauf der Podiumsdiskussion mit allen Fakten und Anmerkungen der Beteiligten finden Sie hier als Audiodatei.

Infobörse: Teilnehmer + Angebot

1.    Strausberger Bildungs- und Sozialwerk e.V.
•    berufsbezogene Sprachkurse für Flüchtlinge
•    Praktika als Vorbereitung für den Berufseinstieg
•    Coaching

2.    Caritas Beratungszentrum Strausberg
•    Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer
•    Beratung zu laufenden Asylverfahren
•    Familienzusammenführung

3.    Diakonisches Werk
•    Beratung von jugendlichen Flüchtlingen mit Bleiberecht

4.    CJD Berlin-Brandenburg
•    Migrationsarbeit
•    Wohneinrichtungen für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge
•    Jugendintegrationsarbeit im Raum Berlin mit Hochschulberatung

5.    IQ Netzwerk Brandenburg
•    Beratung zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse
•    Qualifizierungsmaßnahmen für Ingenieure und Krankenpfleger
•    Sprachförderung

6.    Gesellschaft für berufliche Aus- und Weiterbildung Strausberg
•    Lehrgangangebot
•    Beratung zur Erstausbildung
•    Hauptklientel sind Flüchtlinge mit Duldungstitel

7.    IB – Internationaler Bund gGmbH
•    Bereitstellung von Unterkünften für Flüchtlinge in Müncheberg und Neuhardenberg

8.    Deutsche Angestellten Akademie Strausberg
•    Träger von BAMF Kursen
•    Einzelcoachingmaßnahmen für Flüchtlinge

9.    Bundesagentur für Arbeit
•    Einzelberatung + Kooperation mit Firmen der Region

10.    STIC – Wirtschaftsfördergesellschaft
•    Fachkräftesicherung
•    Coachingprojekte rund um berufliche Weiterqualifizierung

11.    IHK Projektgesellschaft
•    Flüchtlinge in der Kompetenzerweiterung unterstützen
•    Kooperationen mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Akteuren

Weitere Bilder vom Fachtag

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