"In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?"
25.03.2006: Unter dieser aktuellen Frage steht das bisher größte Aufklärungsprojekt, das die Aktion Mensch gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern am 11. März 2006 im Rahmen einer großen Auftaktveranstaltung in Berlin gestartet hat.
Ziel des Projektes ist es, die Frage nach der Zukunft unseres Gemeinwesens aus der Reformrhetorik von Talkshows und Expertenrunden zurück in die Gesellschaft zu tragen. Denn nicht, in was für einer Gesellschaft Menschen leben müssen oder sollen, bestimmt idealerweise die Zukunft des Zusammenlebens in einer Demokratie, sondern in was für einer Gesellschaft sie gemeinsam leben wollen. Mit diesem Perspektivwechsel und der Frage "In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?" will das Projekt einen Prozess gesellschaftlicher Selbstverständigung anstoßen, der möglichst viele Menschen einbezieht und ihnen dabei vielfältige Möglichkeiten der Mitgestaltung bietet.
Ob als Wähler, Steuerzahler oder Konsumenten, als Europäer, Eltern, Leistungsberechtigte, Ehrenamtliche oder Visionäre - die Rollen, in denen Menschen Gesellschaft bilden und Gesellschaft gestalten, sind vielfältig. Das Gesellschafter-Projekt fordert dazu auf, sich dabei als aktiver "Gesellschafter" zu verstehen, der mit seinen Wünschen, Kompetenzen und Ideen aus all diesen und anderen Rollen am gemeinsamen Prozess der Gestaltung unserer Gesellschaft teilnimmt. Sich in dieser Form als "Gesellschafter" zu betrachten, bedeutet, sich nicht nur "Deutschland" oder sich selbst verpflichtet zu fühlen, sondern jeder Form sozialen Miteinanders: in der Schule, der Nachbarschaft, der Gemeinde, in der Stadt oder im Land, aber auch in Europa und der globalisierten Welt. Eine Gesellschaft aktiver "Gesellschafter" im Sinne des Projektes ist sich ihrer ideellen Grundlagen bewusst, ist sozial sensibel und konsensfähig - und damit am ehesten in der Lage, sich dem Wandel der ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen und gleichzeitig ihre Identität zu erhalten. Unter dem Horizont der ebenso grundlegenden wie offenen Frage "In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?" gewinnen aktuelle politische und ethische Diskussionen Freiraum für neue Blickwinkel und Konzepte. Zugleich formuliert die Frage auch einen Maßstab, an denen sich diese Konzepte messen lassen müssen.
Von anderen Reforminitiativen und Kampagnen unterscheidet sich das "Gesellschafter-Projekt" vor allem durch seinen konsequent partizipatorischen Charakter, seine Dialogorientierung und durch konkrete Möglichkeiten zum persönlichen Engagement. Zudem ist es mit einer Laufzeit von mindestens zwei Jahren nachhaltig angelegt.
Um öffentliche Aufmerksamkeit, ein breites Spektrum an Teilnahmemöglichkeiten und eine nachhaltige Wirkung zu sichern, ist das Projekt in drei Bereiche differenziert, die sich gegenseitig ergänzen: eine bundesweite Medienkampagne, die die politischen, philosophischen und persönlichen Dimensionen der Frage "In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?" entfaltet und zur Beteiligung aufruft, eine umfangreiche Website, die als zentrales Informations-, Diskussions- und Koordinationsforum der "Gesellschafter" dient, und schließlich ein großzügig ausgestattetes Förderprogramm, mit dem neue Projekte bürgerschaftlichen Engagements gefördert werden können.
Die Kommunikationsplattform:
Antworten auf die Frage "In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?" werden auf der Website des Projektes gesammelt und diskutiert. Dabei können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wählen, ob sie ihre Antworten als allgemeine Wünsche, Vorstellungen oder Utopien formulieren wollen, oder sich an Diskussionen um konkrete politische Themen und Konzepte beteiligen möchten. Alle Antworten und Diskussionsbeiträge können von anderen Besuchern kommentiert werden. Die Ergebnisse dieser Debatten werden nicht nur im Netz dokumentiert, sondern auch in einer monatlich erscheinenden Projektzeitung sowie am Ende des Jahres in einem Buch publiziert.
Zu den Diskussionen werden auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (Wissenschaftler, Künstler, Vertreter von Verbänden oder Unternehmer) beitragen. Sie werden aufgefordert, ihre Konzepte und Modelle für die Fortentwicklung unserer Gesellschaft zu erläutern und zur Diskussion zu stellen. In einem "politischen Tagebuch" wird jeden Tag ein anderer Gastkommentator die für ihn wichtigste Zeitungsmeldung des Tages vorstellen und kommentieren.
Neben den Diskussionsmöglichkeiten bietet die Website dieGesellschafter.de auch eine Adressdatenbank für ehrenamtliches Engagement. Hier kann man Kontaktadressen in der eigenen Umgebung recherchieren, die dabei helfen, das richtige Projekt für das eigene Engagement zu finden. Anträge im Rahmen des neuen Förderprogramms können unkompliziert online gestellt werden.
Angesichts der großen Bedeutung, die das Internet für das Projekt hat, ist der Aktion Mensch daran gelegen, dass sich möglichst auch diejenigen beteiligen können, die keinen eigenen Internetanschluss haben. Sie arbeitet daher mit der "Stiftung Digitale Chancen" zusammen, die eine Datenbank mit allen öffentlichen Internetzugängen in Deutschland unterhält. Auskünfte über Zugangsmöglichkeiten in Internetcafés, Bibliotheken usw. erhält man unter der Hotline-Nummer 01805/383725 (12Ct/Min). Dort erfährt man auch, ob der jeweilige Standort barrierefrei ist.
Das Förderprogramm:
Um neue Projekte bürgerschaftlichen Engagements zu ermöglichen, wird die Aktion Mensch ab dem 1. Mai 2006 ein neues Förderprogramm mit einem Gesamtvolumen von 10 Millionen Euro anbieten. Gefördert werden Projekte, die im Wesentlichen von ehrenamtlichen und freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen werden oder die zur Neugewinnung von Ehrenamtlichen beitragen. Wichtigste inhaltliche Voraussetzung ist, dass die beantragten Projekte konkret zu mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft beitragen: sei es, dass sie durch gelebte Partizipation und Teilhabe mehr Chancengerechtigkeit für Menschen in sozial schwierigen Situationen schaffen, oder dass konkrete Konzepte für mehr Verteilungs-, Chancen-, Geschlechter- oder Generationengerechtigkeit entwickelt oder erprobt werden.
Wie bei "5000xZukunft", in deren Rahmen die Aktion Mensch in den vergangenen beiden Jahren bundesweit mehr als 8.000 Projekte für Kinder und Jugendliche gefördert hat, ist der Zugang zu den Mitteln unbürokratisch: Die Anträge können online ausgefüllt werden.
Vernetzung und Kooperation:
Für das Gelingen des Gesellschafter-Projektes sind Vernetzung und Kooperation von entscheidender Bedeutung. Hauptpartner sind die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Daneben kooperiert die Aktion Mensch mit zahlreichen Eltern-, Sozial- und Selbsthilfeorganisationen sowie Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) aus Bereichen wie Umwelt, Entwicklung, Verbraucherschutz oder Menschenrechten. Kulturelle Organisationen und Institutionen beteiligen sich ebenfalls. Auch die über 100 Verbände, die bisher im Rahmen der Aktion Grundgesetz gemeinsam mit der Aktion Mensch behindertenpolitische Themen vertreten haben, sind "Gesellschafter" des neuen Projektes. Ihre Aktionen - beispielsweise zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen rund um den 5. Mai - werden in das Gesellschafter-Projekt integriert. In der Entstehung befinden sich darüber hinaus ein prominent besetztes Wissenschaftsforum und ein Wirtschaftsforum, die das Projekt inhaltlich beraten und bei der Durchführung von Fachveranstaltungen und Tagungen mitwirken werden.
Gemeinsam mit diesen Kooperationspartnern ist ein breites Spektrum an begleitenden Aktionen geplant - beispielsweise drei Filmfestivals in über 70 Städten zu den Themen Arbeit, Wirtschaft und Globalisierung (ab Herbst 2006), zahlreiche Wettbewerbe, Schulprojekte, Ausstellungen, ein Kongress zur Sozialpolitik und eine Veranstaltung zum Thema Wirtschaftsethik.
Weitere Infos: www.diegesellschafter.de