"Wohnen für alle mit Zukunft"? - Leitspruch des Bürgerzentrums Brücke in Rüdersdorf unter der Lupe

31.08.2008: Eine Reportage über das Bürgerzentrum Brücke in Rüdersdorf. Die Einrichtung soll als Anlaufstelle für die Bewohner_innen der Plattenbausiedlung bereit stehen. Hier sollen sie und ihre Probleme ernst genommen sowie Perspektiven und Lösungen aufgezeigt werden.

Die kleine Straße Richtung Neubaugebiet führt vorbei an gemütlichen Einfamilienhäusern, wie sie in Vorstädten üblich sind. Von der Straßenbahnhaltestelle Brückenstraße aus erschließt sich mir ein beschaulicher Ort im Speckgürtel Berlins, Rüdersdorf. Schnell wandelt sich das Bild und ich stehe in Mitten von langen 5-etagigen Blocks. Entstanden in den 70er Jahren leben hier heute mehr als 3.000 Menschen, rund ein Fünftel der Einwohnerschaft der Gemeinde. Nebenan zwei Supermärkte, im Wohngebiet Schulen, Kindertagesstätten und das Bürgerzentrum Brücke. Dorthin führt mich mein Weg. Anzeigen, Gesuche und Angebote - ein buntes Wirrwarr von Mitteilungen übersät die Fensterscheiben der Einrichtung. Die Tür steht offen. Im Sommer 2007 wurde das Bürgerzentrum eröffnet, um sozialen Problemen entgegen zu treten und als Anlaufstelle für die Bevölkerung zu fungieren.

Mich empfängt eine freundliche Dame, stilvoll gekleidet, ein Lächeln auf den Lippen, ruhige Bestimmtheit im Ton. Das ist Frau Marianne Hitzges. Leiterin des Bürgerzentrums und Quartiersmanagerin, so nennt sich ihre aus verschiedenen Quellen finanzierte Stelle. Zu den Förderern gehört unter anderem der Lokale Aktionsplan Märkisch-Oderland, der sich für einen vielfältigen und starken Landkreis einsetzt. Hitzges' Erfahrung aus vielen Jahren bei Drogen- und Suchtberatungsstellen, als Abteilungsleiterin eines Jugendamtes sowie bei anderen sozialen Tätigkeiten kann sie nun hier bündeln und so nutzen. Trotzdem versteht sie sich eher als Initiatorin und Koordinatorin, vertraut auf ihr Team, welches aus fünf Leuten: Sozialarbeiter, Streetworker und ABM-Stellen, besteht.

Für die verschiedenen Beratungsangebote wie z.B. die Schuldner-, die Kurhilfe- oder auch die Energiesparberatung kommen extra ExpertInnen in die Brückenstraße 93. Allmählich nehme die Bevölkerung diese Möglichkeiten auch an, wobei die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten noch immer ein Hindernis darstellen. Große Glasfronten, eine stetig geöffnete Tür und lediglich Durchgangszimmer sind nicht gerade Garanten von Datenschutz und Anonymität. Doch die Leute kommen trotzdem auf der Suche nach Antworten für ihre Probleme.

Neben der Beratung von Anwohner_innen liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Förderung sozialer und nachbarschaftlicher Kontakte. Zu diesem Zweck wurde das Mütter-Väter-Kinder-Frühstück ins Leben gerufen, das teilweise großen Anklang findet. Besonders in solchen Situationen, wenn sich über 15 Personen in die Räume des Bürgerzentrums drängen müssen, spüre man, dass die Arbeit hier auch durch die vorhandenen Kapazitäten begrenzt wird, so Hitzges. Ein eigenes Büro hat sie nicht und die Hoffnung auf ungestörtes Arbeiten längst aufgegeben. "Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt, dass plötzlich Menschen im Türrahmen stehen, die meine Hilfe brauchen." sagt die Quartiersmanagerin. Seit September 2007 arbeitet sie hier und die Liste der selbst gesteckten Ziele ist lang. Einiges hat sie schon erreicht ie z.B. das Graffiti-Projekt, bei dem Jugendliche zwei Unterführungen im Wohngebiet dekorierten, die Bepflanzung von Flächen vor dem Bürgerzentrum oder auch eine Umfrage mittels Fragebogen, an der sich 10 % der Bewohner_innen des Gebietes beteiligten.

Andere Projekte wie die Erstellung eines Familienführers für die Gemeinde Rüdersdorf oder der Aufbau einer Kontakt- und Betreuungsbörse für die Bewohner_innen des Plattenbausiedlung stehen noch aus.

Anstrengungen zur Gründung der Arbeitsgruppe "Jour fixe" (= regelmäßiges oder feststehendes Treffen), der sich professionelle Akteur_innen und Vertreter_innen der Verwaltung zu brenzlichen Einzelfällen im Wohngebiet verständigen sollten, waren mangels Beteiligung und Interesse noch nich erfolgreich.

Ein genauerer Blick in die Projektbeschreibung zeigt folgendes: Fast gänzlich fehlt die Akivierung der Bevölkerung, die Anregung von bürgerschaftlichem Engagement. Und hinsichtlich der Unterstützung einer kürzlich von einigen Frauen geäußerten Idee, einen Flohmarkt zu veranstalten, nimmt das Team des Bürgerzentrums eine abwartende Haltung ein. Man möchte erst sehen, ob es den Frauen wirklich ernst sei und sie ihre Pläne mit Nachdruck verfolgen würden. Vielleich sollte jedoch wirklich überlegt werden, wie die Bewohner_innen effektiver einbezogen werden können, sodass letztendlich auch ein zielgruppenorientierter Output entsteht. Dann würden die vier Personen, welche ich bei der Anreise nach dem Weg zum Bürgerzentrum fragte, sicher nicht mehr mit "Was ist das denn?" oder "Keine Ahnung." antworten.

Die neuesten Enwicklungen rund um das Bürgerzentrum finden Sie hier.

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