Integration hat in Seelow jetzt eine Lobby

08.09.2009: In Seelow ist am Montag ein Integrationsverein gegründet worden. Die Initiatoren haben sich auf die Fahnen geschrieben, nicht nur die Interessen der Spätaussiedler zu vertreten, sondern aller an einer Integration Interessierten.

(Märkische Oderzeitung, Ulf Grieger)

"Wer enthält die Stimmung?" Die Leitung der Wahl des Vereinsvorstandes war wohl einer der ersten öffentlichen Auftritte von Ludmilla Michailow in Deutschland. Einem Land, in dem sie vor allem den Kindern eine glücklichere Zukunft erhofft, als es in ihrer russischen Heimat möglich wäre. Seit fünf Jahren in Lietzen und Seelow zu Hause, fällt es ihr noch immer schwer, selbstbewusst aufzutreten. Was nicht zuletzte an den Tücken der deutschen Sprache liegt. Und so ist die Aufregung groß.

Rund 160 Spätaussiedler leben derzeit noch in Seelow, rund 100 in Neuhardenberg. Neue kommen kaum noch hinzu, seit das Einwanderungsgesetz neben Herkunftsnachweisen auch das Beherrschen der Sprache prüft, sagt Marion Nowack. Bis Juli hatten sie bei allen Sorgen und Problemen im Kommunikations-Zentrum eine Anlaufstelle. Aber das vom Gemeinnützigen Verein Lietzen getragene Projekt ist ausgelaufen. Ein Nachfolgeantrag wurde nicht bewilligt. So hatte Thomas Drewing von der Stadtverwaltung die Idee, die Begegnungsstätte auf eine neue Grundlage zu stellen. Einen Verein, der zum einen in der Lage ist, Förderanträge zu stellen und Spenden zu sammeln. Zum anderen werden die Spätaussiedler im Verein aber auch in der Lage sein, selbst für ihre Interessen zu streiten. Wobei es ihnen nicht nur um ihre eigene Integration gehen soll, sondern auch um die anderer Interessengruppen, wie Marion Nowack betont. "Im Hinterkopf haben wir natürlich auch, dass ein Kommunalkombistelle geschaffen wird. Dabei geht es aber nicht um mich", betont die frisch gewählte Vereinsvorsitzende. Ihr zur Seite stehen Olga Roschkow und Mina Majeer.

"Das größte Problem der Spätaussiedler ist natürlich die Arbeitslosigkeit " , sagt die Vereinsvorsitzende. Das Gros habe soziale Probleme. Nicht unerheblich ist dabei, dass die Berufsabschlüsse vieler Aussiedler nicht anerkannt werden. Es gebe aber auch Ausnahmen. Sieben Kinder von Spätaussiedlern besuchen derzeit ein Gymnasium. In diesem Jahr war mit Marina Roschkow sogar eine von ihnen jahrgangsbeste Abiturientin.

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