Wer gemobbt wird, steht allein da!
14.10.2009: Das 18. Kinderfilmfest im Land Brandenburg macht halt in Seelow. Kooperationsverbund Seelow-Oderbruch organisiert das Rahmenprogramm mit Kindern und Jugendlichen.
(Märkische Oderzeitung, von Bärbel Kloppstech)
Im Online-Spiel "Archelod" ist er der Ritter Ben X, der mutig allen Gefahren trotzt. Im wahren Leben nennt man in "Marsmännchen". Von seinen Klassenkameraden wird er gedemütigt, gepeinigt, denn Ben ist anders als die anderen, er lebt in einer anderen Welt. Das macht ihn angreifbar, zum Objekt von Hänseleien, die sich von Tag zu Tag mehr steigern. Ben ist dieser Marter, diesen Qualen hilf- und schutzlos ausgeliefert. Er ist Autist - ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Gefühle zu zeigen. Er hat Schwierigkeiten mit anderen zu kommunizieren. Als er von seinen Klassenkameraden im wahrsten Sinne des Wortes bloßgestellt und dabei gefilmt wird und die erniedrigenden Bilder im Internet sieht, will er einen Schlussstrich ziehen.
Der belgisch-niederländische Film "Ben X", der gestern im Rahmen des 18. Kinderfilmfestes im Seelower Kulturhaus vor Schülern der 9. Klasse der Seelower Oberschule gezeigt wurde, greift Themen wie Außenseiter, Vorurteile, Toleranz, Behinderungen oder Mobbing auf. Und das auf sehr erschütternde Weise.
Dass dieser Film gar nicht so fern vom Schulalltag, sondern im Gegenteil sehr nahe an den Problemen der Schüler dran ist, zeigte die anschließende Diskussion in den Arbeitsgruppen.
Auf die Frage, wie geht die Gesellschaft mit Menschen um, die anders sind? - kommt von den Schülern sofort die Antwort: "Nicht anders als im Film!" Es ist nur eine von vielen, die eine Gruppe von sieben Schülern, meist aus der 9b der Seelower Oberschule, mit Sozialarbeiterin Ines Schussmann vom Kinderring Neuhardenberg im Kleinen Saal diskutiert. In der Mitte ihrer Runde liegen Zettel. Jeder, der nicht weiterweiß, zieht eine neue Frage aus dem Häufchen oder wirft dem nächsten, der etwas dazu sagen möchte, den symbolischen Ball zu.
"Was unterscheidet Konflikte, die man lösen kann von Mobbing?" Gemobbt sei von ihnen, jeder schon einmal sagt Cindy. Und sie gibt auch zu, deswegen nicht in die Schule gegangen sein. Und als du wieder zurück gekommen bist, war da etwas anders? fragt Ines Schussmann. Ja, die Lehrer hätten sich eingemischt, aber das helfe auch nicht immer.
"Konflikte kann man miteinander lösen", ist Jenny überzeugt. "Aber wenn einer gemoppt wird, dann steht er meist allein, ist den Anfechtungen der anderen ausgesetzt und zieht sich zwangsläufig zurück." Als eine der schlimmsten und öffentlich sehr verletzenden Formen, da sind sich alle in der Runde einig, ist das sogenannte Cyber-Mobbing.
Ist es möglich, Pöbeleien, aus denen manchmal Gewalt erwachsen kann, zu verhindern? - lautet eine der nächsten Fragen. Felix reagiert selbstbewusst: "Ich lass ' sie reden und höre gar nicht hin. Das nimmt die Lust, weiterzumachen. Allerdings würde ich einem Freund von mir, wenn er angegriffen wird, immer helfen." Andere zögern, aus Angst selbst in Gefahr zu geraten.
"Ben X" hat unterschwellig Fragen bei den Schülern aufgeworfen. Die Diskussion darüber wird im Unterricht und untereinander ganz sicher weitergehen.