Bauen mit "Modderpampe"
11.08.2010: Die Ferienkinder der Kita Neuhardenberg sitzen schon ganz ungeduldig auf ihren Bänken, als Lehmbauer Ulrich Raberg ihnen erklärt, wie früher mit Lehm gearbeitet wurde.
(Märkische Oderzeitung - Anne Hulitschke)
Am liebsten würden sich die Kleinen sofort auf die "Modderpampe" stürzen. Als es dann endlich so weit ist, gibt es kein Halten mehr: Die Knirpse vermengen den Lehm mit Wasser, kneten ihn mit ihren kleinen Händen durch und bauen sich aus den Lehmklumpen kleine Kunstwerke.
Im Rahmen des Ferienangebotes des Kinderrings Neuhardenberg lernen die Kinder, wie die Menschen früher mit Lehm gearbeitet haben. Sie selbst dürfen sich auch an dem matschigen Werkstoff ausprobieren. So können sie Erfahrungen aus erster Hand sammeln.
Das Projekt, das von der Aktion Mensch gefördert wird, findet vor dem aus Lehm gebauten Heimathaus Neuhardenberg statt. "Durch den Kontakt mit dem Heimathaus bekommen die Kinder einen Eindruck, was früher alles mit Lehm geschaffen wurde. Dabei wird gleichzeitig ein Stück Heimatgefühl vermittelt", meint Dietmar Zimmermann, der Vorsitzende des Heimatvereins Neuhardenberg.
Der Projekttag ist ein voller Erfolg. Das Arbeiten mit der lehmigen Masse macht den Kindern sichtlich Spaß. Sie können ihrer Kreativität freien Lauf lassen. "Ich möchte einen Menschenkopf basteln und danach ein Vogelnest", erzählt die siebenjährige Josie Schulz aus Neuhardenberg stolz.
Die Jungs hingegen formen Buletten, Autos und Vulkane. Dabei stehen ihnen neben dem Lehm auch Stroh und Äste zur Verfügung. "Ich fühle mich wie ein richtiger Lehmbauer", sagt der sechsjährige Friedrich aus Neuhardenberg, der mit einem strahlenden Lächeln seine Modder-Hände zeigt. "Das macht richtigen Spaß", führt er hinzu.
Diesen Spaß sieht man den Kleinen an. Sie haben nicht nur ein Lächeln auf den Lippen, sondern auch ganz viel Lehm an ihrer Kleidung. Doch Lehmbauer Ulrich Raberg gibt Entwarnung: "Den Lehm könnt ihr, wenn er trocken ist, ganz leicht abkratzen. Wenn ihr eure Sachen in der Waschmaschine gewaschen habt, wird nichts mehr zu sehen sein", beruhigt er Kinder wie Eltern.
Ulrich Raberg ist bereits seit 20 Jahren Lehmbauer. Er hat früher schon öfter mit Kindern zusammen gearbeitet. So hat er im Rahmen der Ökologischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Seminare für Kinder zum Thema Lehmbau angeboten. Doch wie ist er auf die Idee gekommen, Lehmbauer zu werden?
"Ich habe früher in einem Fachwerkhaus gewohnt, das aus Lehm gebaut wurde. So bin ich auf die Idee gekommen, mich näher mit dem Werkstoff zu beschäftigen", erzählt Ulrich Raberg. An der Fachhochschule Kassel hat er dann eine Ausbildung zum Lehmbauer absolviert. Sein Wissen gibt er nun an interessierte Kinder weiter - so wie an die Ferienkinder der Kita Neuhardenberg.
Auch Cornelia Wecke vom Kinder- und Jugendring MOL zeigt sich begeistert. "Im Rahmen des Xenos-Projektes "Hand in Hand - Gemeinsam sind wir stark" wollen wir sowohl Gemeinden als auch Vereine im ländlichen Raum stärken. Dabei sollen die Leute vor Ort miteinbezogen werden. Das ist uns mit dem Projekttag "Leben mit Lehm" gut gelungen", meint die Sozialpädagogin. Das sehen die Kinder genauso. Am liebsten würden sie ihre selbst gebastelten Kunstwerke gleich mit nach Hause nehmen.
