Die Kinder von Golzow: 50 Jahre Schulhaus und lange Filmnacht
06.09.2010: 50 Luftballons gen Himmel, Modenschau durch fünf Jahrzehnte, Lieder aufs alte Haus, Schulgeschichte(n) und Ausstellung alter Schulmaterialien und Fotos!
Neben dem kulturellen und musikalischen Programm, welches die SchülerInnen gestalteten gab es virtuelle Reisen in Form von Diashows und ein von den Kindern mit der neuen Kamera gedrehten Film gab es viele weitere Zeitzeugen, die lebendigen Steine von denen Frau Thomas sprach aber vor allem auch die Menschen, die schon damals in die Schule gingen.
Es gab Zeit für Gespräche und Rückschau mit alten LehrerInnen, SchülerInnen in mindestens drei Generationen, manchmal auch vier. Eine mittlerweile betagte Mathelehrerin schwärmte vom Unterrichten und ihrem Engagement über die Berufszeit hinaus, Besuche von ratsuchenden SchülerInnen und dabei strahlen ihre Augen!
Ich erfahre, dass es früher noch zweizügige Klassen gab, wobei die Zechiner - Friedrichsauer und Genschmarer - getrennt von den Golzower Kindern unterrichtet wurde, was mir die ehemalige Schulleiterin verrät, die noch hinzufügt, dass die Zechiner eigentlich immer die "besseren und braveren" SchülerInnen waren. Vielleicht lässt sich eben auch damit ein wenig, die bis heute stark artikulierte eigenständige Identität und Abgrenzungstendenzen der Einzeldörfer erklären.
Neben vielen anderen Gästen wie die polnische Partnerorganisation und der ehemalige Schulleiter Ramm sind auch die Filmemacher, Barbara und Winfried Junge, dabei und bereichern die von den Golzowern für Golzow organisierten langen Filmnacht mit ihrer Anwesenheit durch kurze Erläuterungen zu den Umständen der Filmarbeit. Einige der Filmkinder des Jahrgangs 54/55 als auch des ersten Schuljahrgangs, ein Jahr früher, viele Mitglieder des Vereins Golzower für Golzow, der Feuerwehr und weitere Interessierte sind der Einladung gefolgt und halten ob dem Genuss an der Betrachtung ihres eigenen Dorfs und seiner Bewohner trotz wiederholtem Schauen lange aus. Der Film von 1984: Diese Golzower - Umstandsbestimmung eines Ortes und Drehbuch: Die Zeiten; Drei Jahrzehnte mit den Kindern von Golzow und der DEFA stehen auf dem Programm und ein weiterer, an den ich nicht mehr erinnere, da ich gegen zwei Uhr morgens angeregt von vielen neuen und doch schon etwas vertrauten Bildern den Saal der Oderbruchhalle verlasse.
Besonders beeindruckend ist die soziale Prägung zum Handeln, Anpacken, Reparieren und Schöpfen mit eigenen Händen, die unermüdlich erscheinende und geleistete Aufbauarbeit Ost aber auch der Eigensinn und die Sicht der Einzelnen, was trotz Kollektivierungsgedanken sichtbar wird und eine ganz besondere Spannung erzeugt.
Cornelia Wecke
