Letschiner Schüler wollen selbst gestalten

17.01.2007: Auf einer Jugendkonferenz im Rahmen des Schulprojektes "Open Space" (offener Raum) an der Letschiner Grund- und Oberschule sprachen sie sich für bestimmte Vorhaben aus, an denen sie künftig arbeiten wollen.

(Märkische Oderzeitung, von Oliver Köhler)

Die Jugendlichen von Letschin wollen bestimmte Probleme in ihrem Ort selbst in die Hand nehmen. Im Mittelpunkt des Interesses standen ein Jugendklub, die Wiederaufnahme des Schulfunks und das Thema Gewalt in der Schule.

Der Jugendklub steht bei den Letschinern schon lange auf der Tagesordnung. Bei einer ersten Auflage der Jugendkonferenz im April letzten Jahres fanden sich bereits einige Jugendliche, die sich der Sache annehmen wollten. Seitdem ist viel passiert. Und nicht nur in diesem Projekt. Insgesamt 20 Themen waren bei der ersten Konferenz von den Jugendlichen an die Tafel geschrieben worden. Aus mehreren hatten sich Projektgruppen gebildet. Andere, wie etwa der Bau einer McDonalds-Filiale (in Polen schmecken die Burger anders) oder die Eröffnung eines Media-Marktes in Letschin (da kann man kostenlos Playstation spielen), wurden gleich ausdiskutiert und als unpraktikabel abgelehnt.

Bei der Neuauflage der Konferenz am gestrigen Tag, an der rund 20 Schüler der Letschiner Grund- und Oberschule zwischen 10 und 16 Jahre teilnahmen, ging es nun darum zu sehen, wie weit die Schüler bei der Umsetzung ihres Vorhabens gekommen waren. "Es ist eine Bestandsaufnahme. Wir wollen schauen, wo die Jugendlichen noch Hilfe brauchen", erklärte Mitorganisator Steffen Adam vom Kreis-Kinder- und Jugendring.

Die Ergebnisse, die ihm und seinen Kollegen präsentiert wurden, waren vieldeutig. Während einige Projekte bislang überhaupt nicht angeschoben werden konnten, gab es bei anderen Vorhaben erste Erfolgsmeldungen. Beim Thema "Raucherinsel" zum Beispiel stießen die Schüler auf Gesetze, die es ihnen nicht gestatteten, eine solche Ecke auf dem Schulgelände einzurichten. In der Schule dürfe nicht geraucht werden, hatte ihnen der Schulleiter mitgeteilt. Allerdings sei es doch sehr merkwürdig, dass dieses Verbot für Lehrer offensichtlich nicht gelte, so der Tenor aus der Runde.

Auch beim Projekt "Schülerzeitung" gab es wenig Erfreuliches. Nach Auskunft der Schüler hätte eine Umfrage ergeben, dass nur wenige Schüler überhaupt dazu bereit wären, Geld dafür auszugeben. "Etwas Geld brauchen wir aber für den Druck und das Papier", so eine der Initiatorinnen.

Beim Jugendklub gab es dagegen einen ersten Erfolg. Ich habe mit dem Bürgermeister gesprochen und er hat uns einen Raum im alten Werken-Zentrum zugesichert", erklärte etwa der 16-jährige Chris. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich einige ältere Jugendliche finden würden, die dort die Leitung übernehmen.

Nach der Bestandsaufnahme hatten die Schüler die Möglichkeit, neue Themen zu finden oder über ihre alten Projekte weiter zu beraten. Ganz konkret sollten dabei Fragen beantwortet werden: Was soll als nächstes getan werden?, Wer ist verantwortlich?, Wer ist Ansprechpartner? Dieses Mal waren vor allem Themen gefragt, die den unmittelbaren Schulalltag vieler Jugendlicher betrifft: Gewalt in der Schule, Mobbing, Unterrichtsstunden am Vertretungsplan oder auch der Stress mit der Pausenordnung und Busverbindungen.

Ziel der Veranstaltung sei es, den Schülern Projekte in Eigenverantwortung zu übertragen und sie so zu fördern. Es gehe darum, Werte zu vermitteln, erklärte Steffen Adam, darum zu zeigen, dass die Jugendlichen auch etwas ohne Erwachsene schaffen können. Wann es die nächste Konferenz geben wird, ist unklar. Das hänge ganz davon ab, welchen Bedarf die Jugendlichen hätten, so Adam weiter.

Betreut wird das Projekt neben dem Kreis-Kinder- und Jugendring auch von den Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schulen sowie Jana Behrendt, der Letschiner Jugendkoordinatorin.

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