Dokumentation

 

19. Integrationsfachtag 

24. August 2021

Campus Schloss Trebnitz, Platz der Jugend 4, 15374 Müncheberg OT Trebnitz

 

Begrüßung

Tagesmoderation Fachtag

Angela Fleischer und Saleh Kahhal  – RAA Brandenburg Niederlassung Frankfurt/Oder

DSC 0560 KopieSaleh Kahhal

Begrüßung und Eröffnung des Fachtags

Heike Krüger – KKJR MOL e.V. und Koordination des Netzwerks für Toleranz und Integration (NTI)

„Als wir zu Beginn des Jahres mit der Frage starteten, mit welchem Thema sich der diesjährige Fachtag beschäftigen sollte, fiel es uns unglaublich schwer einen Fokus zu setzen. Im Zuge der Coronapandemie haben wir uns im Netzwerk mit so vielen unterschiedlichen Themen auseinandersetzen müssen, so dass wir uns dafür entschieden haben, den Fachtag als eine Art Spiegel zu nutzen. Der Spiegel aus unserer Sicht einen  Ausschnitt der Themen, die den Landkreis Märkisch Oderland unter der  Perspektive von Vielfalt und Zusammenhalt bewegt und beschäftigt haben. Ein Beispiel ist sind deutsch-polnische Partnerschaften, die sich auf digitale Kommunikationswege beschränken mussten und dadurch die neue Qualität gewonnen haben, sich auch einmal kurz zu treffen.Ich freue mich ganz besonders, dass wir in diesem Jahr das Thema Demokratie in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen dank der Leiterin Svenja Hartmann der Sozialen Dienste der Stephanus gGmbH in Bad Freienwalde mit einbringen können. (...) Wir widmen uns heute mit einem besonderen Augenmerk der  Zukunft von Geflüchteten in ländlichen Räumen. Was braucht es, damit Menschen, die nicht nur gern aus der angrenzenden Hauptstadt an die Oder ziehen, sondern auch hier Aufgenommene langfristige eine attraktive Bleibeperspektive haben? Welche Spielräume können Verwaltung, Politik und Migrationssozialarbeit nutzen, um Unterstützungsgruppen auf einer Augenhöhe zu begegnen? (...) Ein anderer Ausschnitt  ist die  Diskussion rund um das Thema Alt und Neu insbesondere im ländlichen Raum. Hier gilt es das Zusammenwachsen sozialverträglich zu gestalten. (...) Hierbei ist das NTI an der Schnittstelle von Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft aktiv, was nicht immer ohne Nebengeräusche gelingen kann. Wir hoffen, dass unser Beitrag auch in Zukunft gesehen, gewertschätzt und untersützt wird. Heute wollen wir gemeinsam in den Spiegel sehen und uns die Frage stellen, wie wir jede*r in seinem/ihren Tätigkeitsbereich für mehr Vielfalt und Zusammenhalt beitragen kann.“

 

Grußworte

Gernot Schmidt, Landrat des Landkreis Märkisch-Oderland

„Die Kommunalpolitik muss sich immer wieder neu zu diesen Themen finden. Ich begrüße es, wenn der Weg des Dialoges gewählt wird, weil nur durch den Dialog etwas verändert werden kann. Auch die Kommunalpolitik muss sich vor Ort im Landkreis mit Diskursen rund um das Thema Integration auseinandersetzen.
Wir haben zwar unterschiedliche Ansichten in der Flüchtlingspolitik und in landwirtschaftlichen Fragen, trotzdem dürfen wir niemanden ausgrenzen und müssen darauf achten die Demokratie nicht zu spalten. Außerdem dürfen die Menschen, mit denen wir Konflikte haben nicht für eine gesamte Gesellschaft sprechen.
Ich bewundere immer wieder Ihre Energie. Es gibt schwierige Themen, mit denen Sie sich auseinandersetzen und trotzdem gibt es immer wieder neue Menschen, die dazu stoßen.“

 

Dr. Doris Lemmermeier, Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg

„In ländlichen Räumen sind besondere Anstrengungen in der Integration erforderlich. Wenn wir uns Vielfalt als Blumenstrauß vorstellen, dann braucht dieser Blumenstrauß Zusammenhalt. Wir brauchen dringend Ehrenamtler*innen, aber was brauchen sie denn um aktiv zu bleiben? Sie müssen sich ernst genommen fühlen und sich mit anderen Aktiven austauschen können. Außerdem brauchen sie auch finanzielle Unterstützung und Netzwerke vor Ort. Weiterhin braucht es die Fortführung der Migrationssozialarbeit und einen partizipativen Integrationsprozess im Landkreis. Vielfalt und Zusammenhalt sind nur erreichbar, wenn jede*r an ihrem*seinem Platz etwas dazu beiträgt.“

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Vortrag: Zukunft von Geflüchteten in ländlichen Räumen - aktuelle Forschungsergebnisse einer bundesweiten Studie

Dr. Johanna Fick– Projektkoordinatorin, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Das Forschungsprojekt ist 2017 durch die starke Migration ab 2015 entwickelt worden. Frühere Forschungen waren eher auf urbane Räume spezialisiert.

Auf die Frage „(Wie) können humanitäres Engagement für Geflüchtete und ländliche Entwicklung erfolgreich verbunden werden?“ wurden jeweils zwei Landkreise aus vier Bundesländern angeschaut und empirisch und mit verschiedenen Methoden untersucht.

Am Beispiel der Alltagsmobilität wurde vorgestellt, ob geflüchtete Menschen in ihrem Landkreis bleiben oder wegziehen:

  • etwa 2/3 der Personen sind bei 5 von 8 Landkreisen geblieben
  • wenn ein Umzug erfolgt, dann meistens im gleichen Bundesland
  • 1/3 möchte im ländlichen Raum wohnen bleiben; 1/3 ist noch unentschlossen
  • in Kleinstädten gibt es einen besseren Zugang zu Mobilität und Bildungseinrichtungen

Was spricht für das Bleiben:

  • ländliche Wohnstandorte bieten mehr Ruhe und Sicherheit und auch soziale Kontrolle der Kinder
  • soziale Kontakte
  • „Es hat lange gedauert bis wir uns an ein leben angepasst haben aber jetzt haben wir uns angepasst“

Was spricht für das Gehen:

  • Kontakte zur migrantischen Community und zu Verwandten

Generell ist die Mobilitätssituation von geflüchteten Menschen schwierig und problematisch. Das wichtigste Verkehrsmittel ist der ÖPNV gefolgt vom PKW und dem Fahrrad.

Als Fazit lässt sich herausstellen, dass Orte gesellschaftlicher Integration erreichbar sein müssen. Die Alltagsmobilität ist ein wichtiger Faktor für Teilhabechancen und die Bleibeorientierung.
Aber auch das ehrenamtliche Engagement sollte nachhaltig gestärkt werden, denn Ehrenamtliche können „Brückenbauer*innen“ sein. Weiterhin sollten sich Ehrenamtliche qualifizieren und weiterbilden können, damit sich Vereine auch für neue Zielgruppen öffnen können. Die lokale Verwaltungspraxis sollte eine schlüssige und kohärente Integrationsarbeit leisten und kooperativ (z.B. Landkreisebene und kreisangehörige Kommunen) gestalten.

Weitere Informationen unter: www.gefluechtete-in-laendlichen-raeumen.de

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Vortrag: Das Integrationskonzept von Märkisch-Oderland - Entwicklung und aktueller Stand

Kerstin Dickhoff – Migrationsbeauftragte des Landkreis Märkisch-Oderland

Der Kreistag hat den Landrat beauftragt ein Integrationskonzept für Märkisch-Oderland zu erarbeiten. In MOL leben 8900 Menschen mit Migrationshintergrund, für die dieses Konzept hilfreich sein könnte. Das Konzept soll dazu dienen:

  • Entwicklungen, Trends und Bedarfe zu erfassen
  • Doppelstrukturen zu vermeiden
  • Handlungsfelder zu beschreiben und Ziele festzulegen

Die Aufgaben des Konzepts sind unter Anderem:

  • die Integration weiter in den Fokus zu stellen und als dauerhafte Aufgabe sichtbar zu machen
  • Weiterentwicklung der Informations- und Beratungsstrukturen
  • Stärkung und Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements
  • regional ausgewogene Unterbringung von geflüchteten Menschen im Landkreis
  • gezielte Schulungen der Mitarbeiter*innen und Führung eines Prozesses des interkulturellen Umgangs mit Vielfalt im Verwaltungsalltag

Zur Erarbeitung des Konzepts gibt es fünf Entwicklungswerkstätten, die durch Arbeitsgruppen bestehend aus verschiedenen Akteur*innen begleitet werden:

  • ehrenamtliches Engagement
  • soziales und Gesundheit
  • Arbeit, Ausbildung und Sprachförderung
  • Wohnen und Stadtentwicklung
  • Bildung (Kita, Schule, Übergänge)

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Workshops

Workshop 1: Worldcafé - Integrationskonzept_ Gemeinsame inhaltliche Entwicklung der Handlungsfelder im Rahmen des Integrationskonzeptes mit haupt- und ehrenamtlichen Integrationsakteuren*innen und Interessierten

Kerstin Dickhoff - Migrationsbeauftragte des Landkreis Märkisch-Oderland

Angela Fleischer -  RAA Brandenburg

Dieser Workshop befasste sich mit den fünf Entwicklungswerkstätten, die für die Erarbeitung des Integrationskonzepts gegründet wurden. Die Teilnehmenden setzten sich zu jeder Entwicklungswerkstatt mit folgenden Zielen auseinander:

  • Wie sollen die Ziele für die einzelnen Handlungsfelder beschrieben werden?
  • Welche Teilziele sind notwendig?
  • Welche Strategien und Maßnahmen sollen umgesetzt werden?

Weiterhin gab es einen Platz auf dem Themen aufgenommen wurden, die in der jetzigen Fassung (noch) nicht vorkommen. Diese waren u.a.: Sport als Integrationsfaktor, Willkommensstruktur schaffen, Kultur, Kontakte und die interkulturelle Öffnung von Verwaltung/Institutionen.

O-Ton der Teilnehmenden:

„Am Workshop hat mir die Offenheit sehr gut gefallen. Es gab besonders engagierte Personen, das stärkt mich in dem, was ich mache und zeigte viel Authentizität. Mir gab der Workshop sehr viel Energie.“

Handlungsfeld Ehrenamtliches Engagement

  • Ehrenamt benötigt stärkere Rechtsstrukturen, Vorstände
  • Ehrenamt ist Hilfe zur Selbsthilfe
  • Betroffene mit Migrationshintergrund für das Ehrenamt zu gewinnen
  • Teilhabe von Geflüchteten an demokratischen Prozessen fördern
  • Mitverantwortung von Geflüchteten in GUs anregen
  • Koloniale Muster nicht reproduzieren, sondern Gegenseitigkeit – Entwicklung von Selbstorganisationen
  • Mehr Menschen mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund in den Gremien einbeziehen, die sich mit Integration befassen (z.B. AG Integrationskonzept)

Handlungsfelder Soziales und Gesundheit

  • Psychosoziale Versorgung ausbauen mit regelmäßigen Sprechzeiten
  • Schutzbedürftigkeit RL2013/33/EU bedarfsweise nachprüfen
  • Infrastruktur mit Fachärzten ausbauen
  • Psychosoziale Arbeit mit Traumatisierten etablieren
  • Trauma-Bus: mobiles Team für traumpsychologische Beratung
  • Gesundheitskarte - Keine Mehrheit, Reizthema, Kontrollverlust, Risikos der Willkür durch Scheinvergabe der Sachbearbeiter*innen
  • Kitaplätze ausbauen, Erzieherstellen fördern
  • Dezentrales Wohnen fördern
  • Aufgrund von Covid-19 à 1,5 Jahre kein Deutschunterricht

Handlungsfelder Wohnen und Stadtentwicklung

Wohnen

  • GU´s auflösen und dezentrale Unterkünfte (Bsp. Cottbusser Modell) fördern
  • Grundgesetz: Eigentum verpflichtet
  • Häufigere Anpassung der KdU (Kosten der Unterkunft) - Richtlinie

Stadtentwicklung

  • Ghettoisierung verhindern
  • Sozialen Wohnungsbau fördern

Die Wohnung, der erste Schritt in ein selbstbestimmtes Leben nach der Gemeinschaftsunterkunft

  • Folgende Fragen klären:
  • Wer gibt mir eine Mahnung?
  • Unterschied zwischen Wohnungsbaugesellschaften und private Anbieter

Einweisung in das Wohnen in Deutschland

  • Mülltrennung, Strom / Heizung / Wasser, Nachbarschaft, JC-Limit, Was sind Nebenkosten?
  • Begleitung durch Sozialarbeiter und Ehrenamt

Handlungsfelder Kultur und Sport

Sport

  • Schwimmunterricht ausbauen aufgrund hoher Nachfrage
  • Frauen und Mädchen im Sport fördern
  • Talente finden
  • Migrantische Übungsleiter gewinnen / ausbilden
  • Strategien gegen Rassismus und Rechtsextremismus im Sport umsetzen, z.B. Vereinssatzung
  • „Sport geht sofort“ auch ohne Sprache
  • Zugang zu den Eltern über Kinder in den Vereinen
  • Integration durch Mitmachen – Sprache und Gewohnheiten lernen
  • Ballsportarten besonders beliebt bei Migranten*innen
  • Willkommenskultur in den Vereinen fördern
  • Sport und Gesundheit als Kombination, z.B. im Sozialpark
  • Sportmachen ist universal – „Wir alle spielen Fußball, Handball, usw. – DFB mit einbeziehen

Kultur

  • Willkommenskultur schaffen
  • Tendenzen von Respektlosigkeit schon bei kleinen Kindern gegensteuern
  • Unterschiedlicher Umgang mit Pünktlichkeit, Disziplin, usw.
  • Mitglieder werben für die Freiwillige Feuerwehr
  • Interkulturelle Öffnung von Verwaltung und Institutionen

Handlungsfelder Arbeit, Ausbildung, Sprachförderung

Arbeit

  • Gleiche Arbeitszugänge für Alle schaffen
  • Öffnung der Zertifikate / Abschlüsse durch Anerkennung von Arbeitserfahrungen

Sprachförderung

  • Schaffung eines Jugendintegrationskurses
  • Sprachkurs für Frauen und Kinder
  • Sprachkurs für alle ermöglichen
  • Qualifizierung der Lehrenden und Anregung für Finanzierung
  • Positive Anreize schaffen, um Sprachkurse erfolgreich abzuschließen
  • Schaffung eines ehrenamtlich geführten Sprachcafés, z.B. über Jugendeinrichtungen/Schule / Gemeindezentren / Kirche

Handlungsfeld Bildung (Kita, Schulen, Übergänge)

Kita

  • Fehlende Kapazitäten ausgleichen
  • Maßnahmen gegen mangelnde Vorbereitung auf die Schule
  • Fehlender Spracherwerb mit spielerischen Mitteln entgegenwirken
  • Eltern und Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen
  • Vermittlung von kulturellen und gesellschaftlichen Normen
  • Konzepte für alle Einrichtungen erarbeiten
  • Bildungsangebote müssen mit Familie vereinbar sein

Schule

  • Bedarfsgerechte Beratung „Schulbegleiter“ (anerkannte Flüchtlinge) und Finanzierung bereitstellen
  • Regelmäßige Sensibilisierung der pädagogischen Fachkräfte in Bildung zur Erhaltung einer diskriminierungsfreien Lernatmosphäre
  • Aufhebung der Altersgrenzen für 16+
  • Gleichmäßige Verteilung der Kinder
  • Verpflichtende Weiterbildungen / Qualifizierung von Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache Lehrpersonen
  • Priorisierung von Regelklassen, Willkommensklassen, Regelunterricht

 

 

Workshop 2: Demokratie leben in der Werkstatt für behinderte Menschen. Welche Instrumente stehen der Werkstat bisher zur Verfügung und wie kann sich Werkstatt demokratisch und inklusiv (auch unter Coronabedingungen) öffnen?

Svenja Hartmann - Leiterin Sozialer Dienst, Stephanus gGmbH

Inklusion braucht Demokratie – Demokratie braucht Inklusion! Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch in der Gesellschaft dazugehört.

Im Workshop hatten die Teilnehmenden die Chance sich mit eigenen Konflikten, die sie in ihrer Arbeit in Werkstätten für behinderte Menschen auseinanderzusetzen und aber gleichzeitig auch neue Visionen für sich zu erstellen.

Denn um eine Demokratie zu verwirklichen braucht es inklusive und offene Werkstätten für behinderte Menschen.

Ergebnisse

Probleme in Bezug auf Werkstätten für Menschen mit Behinderung

  • Klischees von den WfbM fördern Berührungsängste
  • Diskriminierung in der Öffentlichkeit
  • Diskrepanz zwischen Reha und Wirtschaft
  • Trennung zwischen Beschäftigte und Mitarbeiter fehlt mitunter (Urlaubsanspruch, separate Toiletten, usw.)
  • Entgelt-System fördert Benachteiligung
  • Inklusionsunternehmen sind kein optimaler Weg aus der WfbM

Ideen für die Förderung von Partizipation in den Werkstätten

  • Berührungsängste abbauen – Toleranz und Akzeptanz fördern
    • Verpflichtender Sozialer Projekttag für alle Schüler*innen in einer WfbM
    • Öffnung begleiteter Angebote
  • Das Wort „Behinderung“ entfernen
  • Bedingungsloses Grundeinkommen für Alle
  • Mehr Qualifizierung der hauptamtlichen Mitarbeitenden
  • Flexible Werkstätten fördern
  • Zusammenarbeit zwischen lokalen Unternehmen und Werkstätten fördern
  • Schulparty für Kinder in der WfbM, um Ängste abzubauen

O-Ton eines Teilnehmenden:

„Bisher habe ich nicht viele Erfahrungen sammeln können. Im Workshop habe ich die Werkstätten und auch ihre Arbeit etwas kennengelernt. Wir haben aber auch über Probleme gesprochen, die dort auftreten können. Für mich war das eine große Erfahrung.“

 

Workshop 3: Deutsch-Polnische Partnerschaften gestalten. Während der Pandemie wurden verschiedene digitale Formate ausprobiert. Welche Chancen und Herausforderungen wergeben sich daraus für die Weiterentwicklung von Partnerschaften.

Magdalena Antoniewicz - Koordinatorin des Partnerschaftsbeauftragten des Landes Brandenburg für die Region Großpolen/Wielkpopolski

Im Workshop ging es darum deutsch-polnische Begegnung zu fördern und ein Partner*innennetzwerk zu gestalten. Es wurde ein Beispiel aus Polen gebracht, in dem junge Menschen Unterstützung bekommen und einen eigenen „Club“ gründen können. Gemeinsam mit Jugendgruppen aus Deutschland kann hier ein Austausch und Zusammenarbeit stattfinden. Durch die Pandemie kam die Idee auf, diese Austausche auch digital zu gestalten.

 

Workshop 4: Wieder von vorn? Wo steht die Willkommensarbeit und ehrenamtliche Integrationsarbeit nach der Coronapandemie? Herausforderungen und Chancen in der Gestaltung neuer und bekannter Wege für ein vielfältiges Zusammenleben im Umfeld von Gemeinschaftsunterkünften und Wohnverbünden.

Aylin Karadeniz - Projektleitung Meet Your Neighbours, WIR MACHEN DAS/wearedoingit e.V.

Die Teilnehmenden setzten sich mit der Frage auseinander, welche Probleme es in dieser Arbeit gibt, welche Ressourcen aber auch schon vorhanden sind und wie diese helfen können.

Generell ging es darum, dass die Willkommensarbeit nach Corona wieder anlaufen soll. Die Klient*innen sollen motiviert werden diese Arbeit wieder mitzugestalten. Im Workshop reflektierten die Teilnehmenden welche Herausforderungen aufgrund der Pandemie entstanden sind. Weiterhin sollte es aber auch Raum geben wie die Zukunft in diesem Arbeitsfeld aussehen kann und wie neue Zugänge geschaffen werden. „Es lösen sich zwar alte Strukturen auf aber es sind auch schon neue im Entstehen.“

Ergebnisse

Aktuelle Probleme in der Willkommens- und ehrenamtlichen Integrationsarbeit

  • Generationswechsel:
    • kein Kontakt zu Menschen, die die Arbeit übernehmen möchten
    • Ehrenamtliche sind erschöpft
    • Überdurchschnittlich viele Rentner*innen
  • Wenig professionelle Unterstützung
  • Frustration aufgrund fehlender Wertschätzung in Politik und Verwaltung
  • Konflikt zwischen dem Bedürfnis vorrangig Unterstützung im Alltag zu geben und gleichzeitig politisch aktiv sein zu müssen
  • Förderanträge sind kompliziert und müssen jedes Jahr neu gestellt werden
  • Bürokratischer Aufwand wird auf den Rücken der Ehrenamtler*innen ausgetragen
  • Fehlende Übersicht über Ansprechpartner und Anlaufstellen
  • Fehlende Beständigkeit bei Hauptamtlichen und ständig wechselndes Personal
  • Es braucht altersgerechte Kinder- und Jugendangebote
  • Verpflichtende Fortbildungen für Hauptamtliche in Verwaltung und Bildungseinrichtungen zu Themen der interkulturellen Bildung fehlen

Was nutzen die Leute am meisten?

  • Regelmäßig stattfindende ehrenamtliche Sprachkurse
  • Regelmäßig stattfindende Begegnungscafés mit inoffiziellem Charakter
    • Gezielte Einladungen
    • Whatsapp-Gruppen
    • Möglichkeiten für gegenseitige Unterstützung und niedrigschwellige Beratungen

Wie bleiben Ehrenamtliche im Kontakt

  • Nette Stimmung bei den Veranstaltungen
  • Der direkte Kontakt zu einer Koordinierungsstelle
  • Einfache Fördermöglichkeiten
  • Regelmäßige Termine
  • Verbindlichkeit – feste Strukturen

Wann nutzen Geflüchtete gern die Angebote

  • Sensible Kommunikation
  • Verständnis für persönliche Unterschiede
  • Professionelle Distanz funktioniert nicht immer und sollte trotzdem offen, freundlich und zugewandt sein
    • Viele Geflüchtete neigen dazu eher „ja“ zu sagen, aus Ehrfurcht vor der professionellen Stellung
  • Interkulturelle Helfer*innen sollten nicht ausgenutzt werden (fühlen sich oft vorgeschickt, Dinge zu regeln, für die sie nicht zuständig sind)
  • Beratung sollte am Menschen ansetzen
  • Vermittlung in den Arbeitsmarkt à nicht danach, was der Markt braucht, sondern, was der Menschen möchte

O-Ton eines Teilnehmenden:

„Der Workshop war toll und interessant. Ich habe viele Erfahrungen und neue Wörter kennengelernt. Ich wünsche mir Workshops, wo ich was sage und das auch gehört wird, so wie hier. Außerdem habe ich auch viele neue Kontakte knüpfen und Unterstützung bekommen können.“ 

 

Workshop 5: Raus auf´s Land - jetzt erst recht! Immer mehr Menschen zieht es von der Stadt auf das Land - während der Coronapandemie besonders stark. WAs braucht es, damit Neues und Altes sozialverträglich zusammenwächst?

Friederike Fuchs - Müncheberg ist bunt

Jörg Depta - Mobiles Beratungsteam Frankfurt / Oder

Im Workshop diskutierten die Teilnehmenden, was es zu bedeuten hat, wenn immer mehr Menschen aus der Stadt in den ländlichen Raum ziehen. Dabei stellte sich aber auch heraus, dass es eine große Ungerechtigkeit bei der Förderung und Attraktivität zwischen dem urbanen und ländlichen Engagement gibt. Die Teilnehmenden setzten sich auch damit auseinander, dass die Menschen, die schon länger im Dorf wohnen und ihre Ansichten respektiert werden sollten, denn die Menschen in den Dörfern sind kompetent und wissen viel, haben aber oft keine Zeit sich darüber auszutauschen oder dieses Wissen weiterzugeben. Daher stellte sich heraus, dass Begegnungsräume wichtig für den sozialen Zusammenhalt im ländlichen Raum sind.

Ergebnisse

Herausforderungen / Probleme / Fragen / Gegensätze

  • Vermittlung zwischen Identitäten und Traditionen
  • Unterschiedliche Lebensentwürfe treffen aufeinander
  • Entwurzelung / Integration
  • Spaltung der Gesellschaft
  • Identitätsebene Dorf – Werte, die nicht verloren gehen dürfen
  • Wie viel Wachstum verträgt die Entwicklung im ländlichen Raum?
  • Gute Motive vs. „Eindringen“
  • Fehlende Angebote für Mobilität
  • Fehlende Infrastruktur
  • Naturerhalt vs. Flächennutzung
  • Vorurteile „Wir“ – „Die“
  • Fehlende Begegnungsstätten: Orte, Sport, Vereine, Feste
  • Offenheit vorhandener Strukturen? / Offenheit mitgebrachter Strukturen?
  • Ungerechte Verteilung von Ressourcen
  • Biolebensmittel für Berlin vs. Konventionelle Landwirtschaft (Wer kann es sich leisten

Notwendige Transition

  • Werte und Inhalte gemeinsam weiterentwickeln
  • Landentwicklungskonzepte von Alteingesessenen und Neuzugezogenen für die Gestaltung des Dorfes

O-Ton eines Teilnehmenden:

„Der Zuzug in den Dörfern ist ein wichtiges Thema und es gibt hohen Gesprächsbedarf. Gesellschaftlich ist es ein super brisantes Thema weshalb es weitere Seminare geben sollte um viel darüber zu reden, weil ein Perspektivwechsel und in der Diskussion zum Thema weiterbringt.“

 

Zusammenfassung des Fachtags: Was bleibt vom Fachtag? Eine Zusammenfassung von Eindrücken und Erfahrung in Form eines Improvisationstheaters.

Die Gorillas - Improvisationstheater Berlin

Im Abschlussteil brachten die „Gorillas“ auf humorvolle Art die Inhalte des Fachtags rüber. Es ging um die Schwierigkeit zwischen Zugezogenen und langjährigen Dorfbewohner*innen, um die Frage wer bleibt und wer geht und auch die Blumenstrauß-Metapher vom Anfang wurde aufgegriffen.

Es folgten Danksagungen an die Organisatorinnen, Heike Krüger, Magdalena Antoniewicz und Friederike Fuchs, sowie an die Landrätin des Landkreises Gnesen in Polen, Frau Anna Jung, die auch nochmal erwähnte, dass sie viele Sachen aus dem Fachtag mitnehmen kann und diese auf Polen übertragen möchte.

 

Weitere Eindrücke des Tages in Bildern festgehalten

 

 

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